Sibille Riechardt

Sibille Riechardt wurde 1962 in Witten geboren. Sie ist ausgebildete Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und arbeitet als Diplommedizinpädagogin. Sie fotografiert seit ihrem 10. Lebensjahr. Schwerpunkte sind Naturfotografie und seit einigen Jahren auch Stadtfotografie. 2009 stellte sie beim Kulturfestival „48-Stunden-Neukölln“ eine Arbeit über Wasseroberflächen der Spree und der Kanäle Berlins aus.

Im Wald sein, ohne Menschen sein. Eigene Gesetze, wie etwas passiert. Passiert überhaupt etwas? Pflanzen wachsen, Sonnenstrahlen gleißen, ein Blatt fällt, ein Vogel fliegt. Gestrüpp am Wegesrand, unbeachtet, dahinter erhabene Bäume und Sträucher. Gestrüpp füllt Lücken, manchmal unschön, zufällig. Oft beachten wir Gestrüpp kaum. Doch wenn wir das tun, gräbt sich uns ein typisches Muster ein. Ich sehe eine Fülle von Linien in alle Richtungen weisend, die sich verdichten, überkreuzen, auseinander laufen, sehe Chaos und Unordnung. 
Dickicht hingegen ist geheimnisvoll. Im Märchen muss Dickicht durchschritten, durchkämpft, überwunden werden. Im besten Falle öffnet sich die Hecke nach 100 Jahren von selbst. Wenn ich stundenlang auf Pfaden durch einen urwüchsigen Wald laufe und überall gewachsene, organische Linien sehe, verändert sich etwas in mir: Die Gedanken gehen andere und neue Wege, sie werden komplexer.