Kerstin Greusing

Kerstin Greusing, geboren 1964 in Berlin, studierte Informatik. Sie nahm an verschiedenen Tanztheaterprojekten Teil, hatte Auftritte in Berlin und Mouleon. Sie fotografiert seitdem sie 12 ist. Intensive Beschäftigung mit der Fotografie seit 2007. Ihre erste Ausstellung hatte sie 2009 als Teilnehmerin der Reportageklasse von Ann-Christine Jansson (Photocentrum am Wassertor)

Jeder Mensch erlebt Phasen großer persönlicher Umbrüche, wie das Verlassen des Elternhauses, die Geburt der Kinder oder der Eintritt ins Berufsleben. Daneben gibt es auch Zeiten großer körperlicher Veränderungen. Neben Unfällen sind dies die Pubertät und der Eintritt in die Wechseljahre.  Der Körper bereitet sich vor: Vom (biologischen) Leben als Geliebte und Mutter auf das Leben als Oma. Es werden dabei gewaltige Umbaumaßnahmen getroffen: Die Östrogenversorgung, die bisher von den Eierstöcken vorgenommen wurde, wird von den Fettzellen übernommen. Dafür werden Appetit und Hunger stimuliert. Nach 20 Jahren relativer körperlicher Stabilität betrachte ich diese Veränderung bei mir selbst mit einer Mischung aus Komik und Entsetzen. Der Versuch, dabei gelassen zu bleiben, gelingt nicht immer. In den letzten 5 Jahren habe ich 18 Kilo zugenommen. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Ich krame alte Fotos heraus und vergleiche sie mit dem Jetzt. Besonders deutlich werden die Veränderungen beim Betrachten meiner eigenen Tochter. Sie ist halb so alt wie ich. Ihre Figur ist derjenigen, die ich als 20-jährige hatte, sehr ähnlich. Meine Tochter entspricht den modernen Anforderungen der Zeit (jung, dynamisch, schlank), während ich mich von ihnen wegentwickle und einen neuen Weg finden muss.